Trichogramma-Schlupfwespen parasitieren die Eier des Maiszünslers, bevor eine Larve überhaupt schlüpfen kann. Ein Verfahren, das seit Jahrzehnten etabliert ist — und per Drohne ohne einen einzigen Reifenabdruck im Bestand ausgebracht wird.
70–80 %
Wirkungsgrad, den der Trichogramma-Einsatz gegen den Maiszünsler bei sachgerechtem Termin erreicht.
Quelle: RWG Erdinger Land, Lagerhaus
5–15 %
Ertragsverlust in Körnermais, mit dem bei einem Befall von 0,4 bis 1,5 Larven je Pflanze zu rechnen ist.
Quelle: MR Böblingen-Calw
keine
Wiederbetretungsfristen und Vorgaben zur Arbeitsschutzkleidung — beim Trichogramma-Einsatz sind keine Anwenderschutzauflagen zu beachten.
Quelle: LTZ Augustenberg
Ihr Nutzen
Der biologische Weg ist hier kein Kompromiss zulasten der Wirkung — sondern in mehreren Punkten der praktischere.
Vorteil 01
Der Einsatz von Trichogramma erreicht Wirkungsgrade von 70 bis 80 Prozent. Das Verfahren ist keine Neuheit, sondern wird in Deutschland seit Jahrzehnten praktiziert — allein in Baden-Württemberg auf rund 40.000 Hektar im Jahr 2021.
Vorteil 02
Beim Trichogramma-Einsatz sind keine Auflagen für den Anwenderschutz erforderlich: keine Wiederbetretungsfristen, keine Vorgaben zur Arbeitsschutzkleidung. Für Betriebe mit Handarbeit im Bestand — etwa beim Entfahnen im Saatmais — ist das ein handfester organisatorischer Vorteil.
Vorteil 03
Die Larven bohren sich in den Stängel und höhlen ihn aus; Stängel knicken ab, Leitungsbahnen werden zerstört. Die Fraßstellen sind zugleich Eintrittspforten für Fusarium-Pilze — und damit ein Weg, über den Mykotoxine ins Futter gelangen. Der Schaden bleibt also nicht auf den Ertrag beschränkt.
Vorteil 04
Die Ausbringung erfolgt aus der Luft. Es entsteht kein Bodendruck, es werden keine Fahrgassen gebraucht, und der Termin ist nicht davon abhängig, ob der Bestand für Technik am Boden noch befahrbar ist.
Vorteil 05
Das Verfahren gilt als sehr umweltverträglich und ist ungefährlich für Nützlinge und Bienen; entsprechend bestehen keine Umweltauflagen. Die Trichogramma-Kugeln selbst bestehen aus Maisstärke und sind biologisch abbaubar.
Vorteil 06
Die Drohne fliegt die Fläche nach geplanter Route ab. Über die Flugaufzeichnung lässt sich die Abwurfposition jeder einzelnen Kugel nachvollziehen — eine Dokumentation, die die flächendeckende Ausbringung belegt.
Hintergrund
Der Maiszünsler ist der bedeutendste Schädling im hiesigen Maisanbau. Seine Larven bohren sich in die Stängel der Maispflanze und höhlen sie aus — einzelne Fahnen und Stängel knicken ab. Neben dem direkten Ertragsverlust schaffen die Fraßspuren einen Nährboden für Schimmelpilze, die im ungünstigsten Fall Mykotoxine bilden.
Trichogramma brassicae ist eine nur etwa 0,5 Millimeter kleine Schlupfwespe und ein natürlicher Gegenspieler des Maiszünslers. Sie legt ihre Eier in die Eigelege des Schädlings. Die Trichogramma-Larven fressen die Zünsler-Eier auf, sodass aus dem Gelege statt der nächsten Zünsler-Generation wieder Schlupfwespen schlüpfen — die sich sofort auf die Suche nach weiteren Gelegen machen.
Ausgebracht werden die parasitierten Eier in kleinen Kugeln. Der Ansatz greift damit eine Stufe früher als ein Insektizid: Es wird nicht die Larve bekämpft, die bereits im Stängel sitzt — es wird verhindert, dass sie überhaupt schlüpft.
Der Termin ist entscheidend. Ausgebracht wird zu Beginn der Eiablage, also passend zum Falterflug. Dieser wird über Monitoring erfasst, unter anderem über Fallen und Temperatursummen. Fachliche Empfehlungen zum Zeitpunkt geben die Pflanzenschutzdienste heraus; die Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist an den regionalen Pflanzenschutzempfehlungen beteiligt.
Üblich ist eine zweimalige Ausbringung im Abstand von etwa 10 bis 14 Tagen — sie erzielt den besseren Wirkungsgrad. In Gebieten mit geringem Maisanteil und moderatem Befall reicht häufig eine einmalige, dafür verstärkte Ausbringung mit rund 220.000 Trichogramma je Hektar aus, um den Schaden unter der Schadschwelle zu halten.
Ablauf
01
Die Einsatzplanung läuft idealerweise schon im Winter. Der Grund ist schlicht Kapazität: Die Nachfrage konzentriert sich auf wenige Wochen im Sommer.
02
Der Ausbringtermin richtet sich nach dem Beginn der Eiablage, nicht nach dem Kalender. Wir melden uns, sobald das Zeitfenster erreicht ist.
03
Die Drohne fliegt die Fläche nach geplanter Route ab und wirft die Kugeln in festgelegten Abständen ab — GPS-geführt und ohne Befahren des Bestandes.
04
Sie erhalten die Dokumentation des Einsatzes im Kundenportal, inklusive Flächenbezug und Ausbringtermin.
Ehrlich eingeordnet
Wir halten es für sinnvoller, Grenzen vorher zu benennen, als hinterher Erwartungen zu enttäuschen.
Der Termin entscheidet über die Wirkung — nicht der Kalender. Weil die Ausbringung an den Beginn der Eiablage gebunden ist, kann sich der Einsatztag kurzfristig verschieben. Wer hier auf einen festen Wunschtermin besteht, riskiert Wirkungsverluste. Wir planen deshalb mit Zeitfenstern, nicht mit Datumszusagen.
Zweimal wirkt besser als einmal. Die einmalige Ausbringung hat einen geringeren Wirkungsgrad als die zweimalige. Wo der Befallsdruck gering ist, reicht sie meist trotzdem — wo er hoch ist, sollten Sie die zweite Gabe einplanen. Was für Ihre Fläche sinnvoll ist, klären wir vorher, nicht hinterher.
Wetter setzt harte Grenzen. Bei starkem Regen und Windgeschwindigkeiten über etwa 28 km/h ist eine Ausbringung per Drohne nicht möglich. Das ist keine Vorsicht, sondern Physik — Kugeln, die verweht werden, landen nicht dort, wo sie sollen.
Zur Förderung — Stand ehrlich benannt: Der Bund hat die Trichogramma-Ausbringung gegen den Maiszünsler neu in seinen GAK-Rahmenplan 2026–2029 aufgenommen (Förderbereich 4 „Markt- und standortangepasste sowie umweltgerechte Landbewirtschaftung", Maßnahmengruppe E, Anlage 3): 70 €/ha bundesweiter Fördersatz bei mindestens einmaliger Anwendung. Das ist der Rahmen, den der Bund vorgibt — umgesetzt wird er von den einzelnen Ländern, die den Satz um bis zu 30 % anheben oder absenken dürfen (bzw. je nach Ertragsmesszahl der Fläche noch stärker staffeln können) und selbst entscheiden, ob und wann sie die Maßnahme überhaupt in ihren Förderkatalog aufnehmen. Für Niedersachsen war das zum Zeitpunkt unserer Prüfung nicht bestätigt — die Landwirtschaftskammer Niedersachsen vergibt AUKM-Anträge in der Regel bis zum 15. Mai und lässt 2026 überwiegend nur Folgeanträge zu, nicht jede Maßnahme ist neu antragbar. Andere Bundesländer haben eigene, längst laufende Programme: Baden-Württemberg über FAKT mit 60 €/ha bei zweimaliger Anwendung, Bayern über KULAP mit 50 €/ha und Rheinland-Pfalz über EULLa mit 40 €/ha. Bitte kalkulieren Sie nicht mit einer Förderung, ohne den aktuellen Stand direkt bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zu prüfen — Förderfristen liegen zudem meist weit vor der Saison.
Zwei weitere Regeln aus dem Rahmenplan, die für die Kalkulation zählen: Erstens verpflichtet die Förderung grundsätzlich für mindestens fünf Jahre (Maßnahmengruppen B bis E), es handelt sich also nicht um eine einmalige Zahlung, sondern um eine mehrjährige Zusage. Zweitens wird der Betrag gekürzt, wenn gleichzeitig eine Förderung für den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel nach dem GAP-Direktzahlungengesetz in Anspruch genommen wird — das dient der Vermeidung einer Doppelförderung, nicht der Kürzung an sich.
Nicht jeder Schädling hat einen passenden Nützling. Das hier beschriebene Verfahren ist auf den Maiszünsler zugeschnitten. Für andere Kulturen und Schaderreger klären wir im Einzelfall, ob ein geeigneter Nützling verfügbar ist — und sagen ab, wenn nicht.
Häufige Fragen
So früh wie möglich, idealerweise im Winter. Die Ausbringung findet je nach Witterung zwischen Juni und August statt, und die Nachfrage konzentriert sich stark auf dieses kurze Fenster. Wer erst im Juni anfragt, konkurriert mit allen anderen um dieselben wenigen Einsatztage.
Die zweimalige Ausbringung im Abstand von 10 bis 14 Tagen erzielt den besseren Wirkungsgrad und ist die Standardempfehlung. In Regionen mit geringem Maisanteil und moderatem Befallsdruck reicht häufig eine einmalige, dafür verstärkte Ausbringung mit rund 220.000 Trichogramma je Hektar, um den Schaden unter der Schadschwelle zu halten.
Der Einsatz von Trichogramma ist ein biologisches Verfahren ohne Insektizid. Es wird sowohl von konventionellen als auch von Bio-Betrieben genutzt. Ob es im Rahmen Ihrer konkreten Zertifizierung anerkannt wird, sollten Sie mit Ihrer Kontrollstelle abklären — die Verbandsrichtlinien sind hier maßgeblich, nicht wir.
Nein. Beim Trichogramma-Einsatz sind keine Auflagen für den Anwenderschutz erforderlich — es gibt keine Wiederbetretungsfristen und keine Vorgaben zur Arbeitsschutzkleidung. Der Bestand kann unmittelbar wieder betreten werden.
Die Kugeln bestehen aus Maisstärke und sind biologisch abbaubar. Sie verbleiben auf der Fläche und verrotten dort.
Weil der Schaden zwei Seiten hat. Neben dem Ertragsverlust erhöhen die Fraßstellen das Risiko für Fusarium-Befall und Maisbeulenbrand — und damit für Mykotoxine im Futter. Außerdem empfehlen Beratungsstellen die flächige Bekämpfung in Maisgebieten auch deshalb, um eine Ausbreitung von unbehandelten Nachbarflächen aus zu begrenzen.
Weitere Leistungen
Vegetationsindizes als Grundlage für teilflächenspezifische Düngung und gezielten Pflanzenschutz.
Mehr erfahren →Thermografische Prüfung von Photovoltaikanlagen im laufenden Betrieb, ohne Abschaltung.
Mehr erfahren →Wärmebildgestützte Absuche vor der Mahd — erfüllte Sorgfaltspflicht, dokumentiert.
Mehr erfahren →Anfrage
Nennen Sie uns Ihre Maisfläche und die Region — wir melden uns mit einer Einschätzung zum sinnvollen Verfahren und sichern Ihnen frühzeitig Kapazität für die Saison.