Biologisch gegen den Maiszünsler — punktgenau aus der Luft

Trichogramma-Schlupfwespen parasitieren die Eier des Maiszünslers, bevor eine Larve überhaupt schlüpfen kann. Ein Verfahren, das seit Jahrzehnten etabliert ist — und per Drohne ohne einen einzigen Reifenabdruck im Bestand ausgebracht wird.

Luftaufnahme eines Maisfelds mit deutlich erkennbaren Reihen

70–80 %

Wirkungsgrad, den der Trichogramma-Einsatz gegen den Maiszünsler bei sachgerechtem Termin erreicht.

Quelle: RWG Erdinger Land, Lagerhaus

5–15 %

Ertragsverlust in Körnermais, mit dem bei einem Befall von 0,4 bis 1,5 Larven je Pflanze zu rechnen ist.

Quelle: MR Böblingen-Calw

keine

Wiederbetretungsfristen und Vorgaben zur Arbeitsschutzkleidung — beim Trichogramma-Einsatz sind keine Anwenderschutzauflagen zu beachten.

Quelle: LTZ Augustenberg

Bundesförderung im GAK-Rahmenplan 2026–2029

Bis zu 70 €/ha für die Trichogramma-Ausbringung gegen den Maiszünsler

Der Bund fördert den Einsatz von Trichogramma sp. gegen den Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) in Mais im Rahmen des Förderbereichs 4 (MSUL), Maßnahmengruppe E „Biologischer/biotechnischer Pflanzenschutz" — bundesweit mit 70 Euro je Hektar bei mindestens einmaliger Anwendung.

Wichtig: Das ist der bundesweite Rahmen. Die tatsächliche Umsetzung, Antragstellung und Fristen liegen bei den Ländern — für Niedersachsen war zum Zeitpunkt unserer Prüfung nicht bestätigt, ob und ab wann die Maßnahme im landeseigenen Förderkatalog angeboten wird. Details weiter unten und in der ausführlichen Einordnung.

Ihr Nutzen

Warum Landwirte auf Nützlinge statt Insektizid setzen.

Der biologische Weg ist hier kein Kompromiss zulasten der Wirkung — sondern in mehreren Punkten der praktischere.

Vorteil 01

Wirkung, die sich sehen lassen kann

Der Einsatz von Trichogramma erreicht Wirkungsgrade von 70 bis 80 Prozent. Das Verfahren ist keine Neuheit, sondern wird in Deutschland seit Jahrzehnten praktiziert — allein in Baden-Württemberg auf rund 40.000 Hektar im Jahr 2021.

Vorteil 02

Kein Anwenderschutz, keine Wartezeit

Beim Trichogramma-Einsatz sind keine Auflagen für den Anwenderschutz erforderlich: keine Wiederbetretungsfristen, keine Vorgaben zur Arbeitsschutzkleidung. Für Betriebe mit Handarbeit im Bestand — etwa beim Entfahnen im Saatmais — ist das ein handfester organisatorischer Vorteil.

Vorteil 03

Schützt Kolben, Ertrag und Futterqualität

Die Larven bohren sich in den Stängel und höhlen ihn aus; Stängel knicken ab, Leitungsbahnen werden zerstört. Die Fraßstellen sind zugleich Eintrittspforten für Fusarium-Pilze — und damit ein Weg, über den Mykotoxine ins Futter gelangen. Der Schaden bleibt also nicht auf den Ertrag beschränkt.

Vorteil 04

Kein Befahren, keine Verdichtung

Die Ausbringung erfolgt aus der Luft. Es entsteht kein Bodendruck, es werden keine Fahrgassen gebraucht, und der Termin ist nicht davon abhängig, ob der Bestand für Technik am Boden noch befahrbar ist.

Vorteil 05

Bienen- und nützlingsschonend

Das Verfahren gilt als sehr umweltverträglich und ist ungefährlich für Nützlinge und Bienen; entsprechend bestehen keine Umweltauflagen. Die Trichogramma-Kugeln selbst bestehen aus Maisstärke und sind biologisch abbaubar.

Vorteil 06

Dokumentiert bis zur einzelnen Kugel

Die Drohne fliegt die Fläche nach geplanter Route ab. Über die Flugaufzeichnung lässt sich die Abwurfposition jeder einzelnen Kugel nachvollziehen — eine Dokumentation, die die flächendeckende Ausbringung belegt.

Hintergrund

Wie eine 0,5 Millimeter kleine Wespe den Maiszünsler stoppt.

Der Maiszünsler ist der bedeutendste Schädling im hiesigen Maisanbau. Seine Larven bohren sich in die Stängel der Maispflanze und höhlen sie aus — einzelne Fahnen und Stängel knicken ab. Neben dem direkten Ertragsverlust schaffen die Fraßspuren einen Nährboden für Schimmelpilze, die im ungünstigsten Fall Mykotoxine bilden.

Trichogramma brassicae ist eine nur etwa 0,5 Millimeter kleine Schlupfwespe und ein natürlicher Gegenspieler des Maiszünslers. Sie legt ihre Eier in die Eigelege des Schädlings. Die Trichogramma-Larven fressen die Zünsler-Eier auf, sodass aus dem Gelege statt der nächsten Zünsler-Generation wieder Schlupfwespen schlüpfen — die sich sofort auf die Suche nach weiteren Gelegen machen.

Ausgebracht werden die parasitierten Eier in kleinen Kugeln. Der Ansatz greift damit eine Stufe früher als ein Insektizid: Es wird nicht die Larve bekämpft, die bereits im Stängel sitzt — es wird verhindert, dass sie überhaupt schlüpft.

Der Termin ist entscheidend. Ausgebracht wird zu Beginn der Eiablage, also passend zum Falterflug. Dieser wird über Monitoring erfasst, unter anderem über Fallen und Temperatursummen. Fachliche Empfehlungen zum Zeitpunkt geben die Pflanzenschutzdienste heraus; die Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist an den regionalen Pflanzenschutzempfehlungen beteiligt.

Üblich ist eine zweimalige Ausbringung im Abstand von etwa 10 bis 14 Tagen — sie erzielt den besseren Wirkungsgrad. In Gebieten mit geringem Maisanteil und moderatem Befall reicht häufig eine einmalige, dafür verstärkte Ausbringung mit rund 220.000 Trichogramma je Hektar aus, um den Schaden unter der Schadschwelle zu halten.

Ablauf

Von der Bestellung bis zum Einsatzprotokoll.

01

Frühzeitig anmelden

Die Einsatzplanung läuft idealerweise schon im Winter. Der Grund ist schlicht Kapazität: Die Nachfrage konzentriert sich auf wenige Wochen im Sommer.

02

Termin nach Monitoring

Der Ausbringtermin richtet sich nach dem Beginn der Eiablage, nicht nach dem Kalender. Wir melden uns, sobald das Zeitfenster erreicht ist.

03

Ausbringung per Drohne

Die Drohne fliegt die Fläche nach geplanter Route ab und wirft die Kugeln in festgelegten Abständen ab — GPS-geführt und ohne Befahren des Bestandes.

04

Einsatzprotokoll

Sie erhalten die Dokumentation des Einsatzes im Kundenportal, inklusive Flächenbezug und Ausbringtermin.

Ehrlich eingeordnet

Was diese Leistung leisten kann — und was nicht.

Wir halten es für sinnvoller, Grenzen vorher zu benennen, als hinterher Erwartungen zu enttäuschen.

Der Termin entscheidet über die Wirkung — nicht der Kalender. Weil die Ausbringung an den Beginn der Eiablage gebunden ist, kann sich der Einsatztag kurzfristig verschieben. Wer hier auf einen festen Wunschtermin besteht, riskiert Wirkungsverluste. Wir planen deshalb mit Zeitfenstern, nicht mit Datumszusagen.

Zweimal wirkt besser als einmal. Die einmalige Ausbringung hat einen geringeren Wirkungsgrad als die zweimalige. Wo der Befallsdruck gering ist, reicht sie meist trotzdem — wo er hoch ist, sollten Sie die zweite Gabe einplanen. Was für Ihre Fläche sinnvoll ist, klären wir vorher, nicht hinterher.

Wetter setzt harte Grenzen. Bei starkem Regen und Windgeschwindigkeiten über etwa 28 km/h ist eine Ausbringung per Drohne nicht möglich. Das ist keine Vorsicht, sondern Physik — Kugeln, die verweht werden, landen nicht dort, wo sie sollen.

Zur Förderung — Stand ehrlich benannt: Der Bund hat die Trichogramma-Ausbringung gegen den Maiszünsler neu in seinen GAK-Rahmenplan 2026–2029 aufgenommen (Förderbereich 4 „Markt- und standortangepasste sowie umweltgerechte Landbewirtschaftung", Maßnahmengruppe E, Anlage 3): 70 €/ha bundesweiter Fördersatz bei mindestens einmaliger Anwendung. Das ist der Rahmen, den der Bund vorgibt — umgesetzt wird er von den einzelnen Ländern, die den Satz um bis zu 30 % anheben oder absenken dürfen (bzw. je nach Ertragsmesszahl der Fläche noch stärker staffeln können) und selbst entscheiden, ob und wann sie die Maßnahme überhaupt in ihren Förderkatalog aufnehmen. Für Niedersachsen war das zum Zeitpunkt unserer Prüfung nicht bestätigt — die Landwirtschaftskammer Niedersachsen vergibt AUKM-Anträge in der Regel bis zum 15. Mai und lässt 2026 überwiegend nur Folgeanträge zu, nicht jede Maßnahme ist neu antragbar. Andere Bundesländer haben eigene, längst laufende Programme: Baden-Württemberg über FAKT mit 60 €/ha bei zweimaliger Anwendung, Bayern über KULAP mit 50 €/ha und Rheinland-Pfalz über EULLa mit 40 €/ha. Bitte kalkulieren Sie nicht mit einer Förderung, ohne den aktuellen Stand direkt bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zu prüfen — Förderfristen liegen zudem meist weit vor der Saison.

Zwei weitere Regeln aus dem Rahmenplan, die für die Kalkulation zählen: Erstens verpflichtet die Förderung grundsätzlich für mindestens fünf Jahre (Maßnahmengruppen B bis E), es handelt sich also nicht um eine einmalige Zahlung, sondern um eine mehrjährige Zusage. Zweitens wird der Betrag gekürzt, wenn gleichzeitig eine Förderung für den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel nach dem GAP-Direktzahlungengesetz in Anspruch genommen wird — das dient der Vermeidung einer Doppelförderung, nicht der Kürzung an sich.

Nicht jeder Schädling hat einen passenden Nützling. Das hier beschriebene Verfahren ist auf den Maiszünsler zugeschnitten. Für andere Kulturen und Schaderreger klären wir im Einzelfall, ob ein geeigneter Nützling verfügbar ist — und sagen ab, wenn nicht.

Häufige Fragen

Was Maisanbauer uns dazu am häufigsten fragen.

Wann muss ich mich anmelden?

So früh wie möglich, idealerweise im Winter. Die Ausbringung findet je nach Witterung zwischen Juni und August statt, und die Nachfrage konzentriert sich stark auf dieses kurze Fenster. Wer erst im Juni anfragt, konkurriert mit allen anderen um dieselben wenigen Einsatztage.

Einmal oder zweimal ausbringen?

Die zweimalige Ausbringung im Abstand von 10 bis 14 Tagen erzielt den besseren Wirkungsgrad und ist die Standardempfehlung. In Regionen mit geringem Maisanteil und moderatem Befallsdruck reicht häufig eine einmalige, dafür verstärkte Ausbringung mit rund 220.000 Trichogramma je Hektar, um den Schaden unter der Schadschwelle zu halten.

Ist das auch für Bio-Betriebe geeignet?

Der Einsatz von Trichogramma ist ein biologisches Verfahren ohne Insektizid. Es wird sowohl von konventionellen als auch von Bio-Betrieben genutzt. Ob es im Rahmen Ihrer konkreten Zertifizierung anerkannt wird, sollten Sie mit Ihrer Kontrollstelle abklären — die Verbandsrichtlinien sind hier maßgeblich, nicht wir.

Muss ich nach der Ausbringung eine Wartezeit einhalten?

Nein. Beim Trichogramma-Einsatz sind keine Auflagen für den Anwenderschutz erforderlich — es gibt keine Wiederbetretungsfristen und keine Vorgaben zur Arbeitsschutzkleidung. Der Bestand kann unmittelbar wieder betreten werden.

Was passiert mit den Kugeln nach dem Schlupf?

Die Kugeln bestehen aus Maisstärke und sind biologisch abbaubar. Sie verbleiben auf der Fläche und verrotten dort.

Warum lohnt sich die Bekämpfung auch bei mäßigem Befall?

Weil der Schaden zwei Seiten hat. Neben dem Ertragsverlust erhöhen die Fraßstellen das Risiko für Fusarium-Befall und Maisbeulenbrand — und damit für Mykotoxine im Futter. Außerdem empfehlen Beratungsstellen die flächige Bekämpfung in Maisgebieten auch deshalb, um eine Ausbreitung von unbehandelten Nachbarflächen aus zu begrenzen.

Quellen

  1. RWG Erdinger Land — Wirkungsgrade von 70–80 %, Ertragsverluste, Fusarium-Risiko, ein- vs. zweimalige Ausbringung — rwg-erdinger-land.de
  2. LTZ Augustenberg — Trichogramma brassicae seit rund 40 Jahren etabliert, ca. 40.000 ha in BW (2021), keine Anwenderschutzauflagen, FAKT-Förderung — landwirtschaft-bw.de
  3. ZG Raiffeisen — Biologie der Schlupfwespe (ca. 0,5 mm), Umweltverträglichkeit, Länderförderungen — zg-raiffeisen.de
  4. MR Böblingen-Calw — Ertragsverlust 5–15 % bei 0,4–1,5 Larven je Pflanze, FAKT II mit 60 €/ha — mr-bb-cw.de
  5. Lagerhaus Blog — Ablauf der Drohnenausbringung, Wetterobergrenzen, Abstand der Ausbringungen — lagerhausblog.at
  6. BMEL — GAK-Rahmenplan 2026–2029, Förderbereich 4 (MSUL), Maßnahmengruppe E „Biologischer/biotechnischer Pflanzenschutz" und Anlage 3, Bundesfördersatz 70 €/ha für Trichogramma sp. gegen Maiszünsler, fünfjähriger Mindest-Verpflichtungszeitraum — vom Nutzer bereitgestelltes PDF (GAK-Rahmenplan 2026-2029, S. 71, 100–101, 131)
  7. Landwirtschaftskammer Niedersachsen — Antragsfristen und -verfahren AUKM 2026 (überwiegend Folgeanträge, Stichtag 15. Mai) — ml.niedersachsen.de
  8. Plantivo — Fördersätze in Bayern (KULAP), Baden-Württemberg (FAKT) und Rheinland-Pfalz (EULLa), Förderfristen — plantivo.de
  9. Witt 3D — Kugeln aus Maisstärke, biologisch abbaubar — witt3d.de

Weitere Leistungen

Was wir sonst noch aus der Luft erledigen.

Anfrage

Sprechen wir über Ihre Flächen.

Nennen Sie uns Ihre Maisfläche und die Region — wir melden uns mit einer Einschätzung zum sinnvollen Verfahren und sichern Ihnen frühzeitig Kapazität für die Saison.

Einsatzgebiet

Norddeutschland & angrenzende Regionen